Von Arndt Prenzel | 15.10.2024, 13:54 Uhr [Quelle: shz]
Schüler der Friedrich-Paulsen-Schule interpretieren Richard Haizmanns Tierkreiszeichen auf neue Art. Zwischen bildender Kunst und Musik findet in Niebüll eine faszinierende Symbiose statt. Erleben Sie, wie junge Talente altbekannte Werke mit frischem Blick neu beleben.
Die Idee zur Kunstaktion hatte Niebülls Kantor Hartmut Siebmanns. Der Organist hatte seinen spartenübergreifenden Ansatz für das Kulturleben in der Stadt wörtlich genommen und den Hamburger Andreas Willscher dafür gewinnen können, Richard Haizmanns berühmte Tierkreiszeichen zu vertonen. Er selbst präsentierte die Stücke auf der neuen Truhenorgel der Kirchengemeinde.
Zwölftklässler der Friedrich-Paulsen-Schule stellen ihre Kunst aus
Die Uraufführung war bereits ein voller Erfolg, mit über 150 Gästen. Den besonderen Rahmen dazu bildeten die Werke der Zwölftklässler der Friedrich-Paulsen-Schule, die in den Monaten davor an ihren Bildern gearbeitet hatten. Für die Kunstfreunde gab es im ersten Stock einen doppelten Genuss: Die Neuinterpretation der Themen durch die FPS-Schüler sind den originalen Werken Richard Haizmanns gegenübergestellt.
Die jungen Künstler waren glückstrahlend dabei und präsentierten dem Publikum ihre Werke. „Das ist eine großartige Chance für alle Beteiligten“, hatte Kunstlehrerin Andrea Awe Anfang 2024 auf Hartmut Siebmanns Anfrage hin geantwortet und die Thematik vorbereitet. „Wir haben im Unterricht über verschiedenen Zugänge oder Zugriffe auf die Tierkreiszeichen gesprochen“, so die Pädagogin.
Im Museum führte Leiter Christian Schulz die Schüler in die ungewöhnliche Haizmann-Welt ein. In der Schule folgte ein spannendes Zwischenmodul. „Eine Kollegin spielte eine Willscherkomposition auf dem Klavier, die Schüler zeichneten danach.“ Wenig später interpretierte Hartmut Siebmanns die benötigten Stücke auf der Truhenorgel. „Jeder Schüler gestaltete sein eigenes Tierkreiszeichen“, lautete die Vorgabe.
Richard Haizmanns Tierkreiszeichen in neuer Interpretation
Schülerin Luisa Nicolaisen ist „Krebs“ und hat zu Haizmanns Farbauswahl eine eigene Meinung. „Ich fand die strahlenden, harmonischen Farben zwar schön, meine aber, dass sie nicht zum Sternzeichen passen.“ Von Anfang an hat sie sich gegen diese Farben entschieden, hat stattdessen ein kräftiges Blau gewählt. Ihr „Krebs“ manifestiert sich durch zwei kräftige Wirbel, die das Zeichen symbolisieren. „Das verdeutlicht die Tiefe der Emotionen des Krebses“, sagt die Risum-Lindholmerin. „Die im Zeichen des Krebses geborenen Sommerkinder lieben das Meer“, erläutert die Schülerin, „daher das starke Blau!“
Merle Thiesen aus Süderlügum ist im Februar geboren, sie ist „Wassermann“. Die Schülerin hat sich Haizmanns Kalenderblatt genau angeschaut und Schlüsse gezogen: „Die Farbe Gelb spielt auch bei mir eine wichtige Rolle!“ Es ist ein farblich warmer Kontrast zu einer „Fehleinschätzung“ des Sternzeichens. Der Wassermann werde ja fälschlicherweise als „kühl und ablehnend“ beschrieben, so die Oberstufenschülerin.
Ihr Bild zeigt eine dynamische Wasserfrau in der Woge, im wilden Meer. Der Wellengang ist stark. Die Figur reckt sich dem sich offenem, gelblich gefärbten Himmel entgegen. „Die Perlen am Gewand der Wasserfrau sind meine persönliche Komponente“, sagt Merle Thiesen lächelnd. „Denn das war auch die Ansage, hier persönliche Momente zu setzen.“ Ihre eigenen Akzente kamen beim Publikum gut an. „Die Fragen der Besucher gingen in diese Richtung.“
Museum in Niebüll: Alte Haizmann-Werke wurden restauriert
Für diesen besonderen Anlass hatte der Verein Freunde des Richard Haizmann Museums die Restaurierung von fünf Tierkreiszeichen finanziell ermöglicht. Der spezialisierte Restaurator Dietmar Schwenck gab den Gemälden seine ursprüngliche Leuchtkraft zurück, sodass die farbintensiven Bilder wieder ihre Wirkung erzielen können. Die Ausstellung „Kunst vertont – Richard Haizmanns Tierkreiszeichen“ läuft bis zum 3. November 2024.




