Musiker feiern den Jazz

JazzGoesMensa findet zum dritten Mal an der Friedrich-Paulsen-Schule Niebüll statt

Mit dem kleinen Niebüller Jazzfest JazzGoesMensa ist es nun bereits zum dritten Mal gelungen, die Stadt für die Jazzmusik zu öffnen und jungen talentierten Nachwuchskünstlern sowie in der Region schon bekannten und etablierten Musikern in der Mensa der FPS eine Bühne zu bieten. Und diese Möglichkeit haben sie grandios genutzt, hörbar und sichtlich genossen, wovon sich die etwas über einhundert Zuhörerinnen und Zuhörer in der somit gut besuchten Mensa — es scheint durchaus eine kleine Fan-Gemeinde in der Stadt zu geben! — mit- und hinreißen ließen. So war die Stimmung auch an diesem Abend wieder prächtig.

Es sei in Niebüll zu wenig Jazz, befand Uwe Fot, der die Veranstaltung organisiert und moderierte, was aber seit drei Jahren zumindest für den September nicht mehr gelten könne. Das Programm deckte ein beträchtliches Spektrum des Jazz ab, wobei als limitierender Faktor allein das Motto „NoFreeJazz“ galt: Von dem Gitarren-Trio der Kreismusikschule Nordfriesland um Christine Burkard, das den jazzigen Reigen mit „FunFor3“ (Dieter Kreidler) eröffnete, über Guido Wandrey vom Niebüller Yoga-2-Klang Studio, der am Handpan mit seinem Stück „Wellentanz“ für sphärische Tiefenentspannung schon vor der Pause sorgte, bis hin zu Constance Vogel, die im Duett mit Aventofter Amselgezwitscher auf „Blackbird“ (Beatles) am Bechstein-Flügel federleicht improvisierte — die Amsel sei tatsächlich der eigentliche Jazzer unter den Singvögeln —, spannte sich um zwei Jazzformationen ein herrlich weiter Bogen: The Chromatic Collective, eine eigens zu diesem Anlass und nur für diesen Anlass gegründete Jazzband angehender Studenten zumeist aus Husum, bespielte um den Pianisten Sebastian Kruse herum Trompete, Bass, Drums und Vocals teils selbst arrangierte, teils eigene Stücke und trug durch den fünfstimmig a capella (nur Drums und Bass gaben sehr zurückhaltend Takt und Rhythmus vor) vorgetragenen Beach Boy-Song „In My Room“ (Brian Wilson) auf einen ersten Höhepunkt des Abends.
Unser ehemaliger Schüler Marvin Tank leitete mit einer ebenso schwungvollen wie groovigen Piano-Version des Michael Jackson-Songs „Billie Jean“ den zweiten Teil des Konzerts ein und stellte einmal mehr eine virtuose Fingerfertigkeit an der Klaviatur unter Beweis, die umso bemerkenswerter ist, da Marvin sich das Klavier autodidaktisch erschlossen hat. Mit etwas Glück kann man ihn in der Friedrichstraße in Westerland erleben, wo er mitunter durch Straßenmusik auf einem sehr bunten, rollbaren Klavier sein Studium finanziert.
In zwei Sets schlug uns auch diesmal wieder die wunderbar dunkle Soulstimme von Laura Perleberg, ebenfalls eine ehemalige FPSlerin, – begleitet von Sebastian Kruse am Piano – mit Songs u. a. von Laufey und Melody Gardot ganz in ihren Bann. Der zweite Teil des Jazzfests wurde dominiert durch den beschwingten Auftritt der siebenköpfigen Jazzküche, Niebülls einziger und weit über den Kreis hinaus bekannten Jazzband, die für die Zuhörerinnen und Zuhörern wieder ein abwechslungsreiches Menü aus teils südamerikanischen, teils afrikanischen Rhythmen und Standards zubereitet hatte und dem Publikum mit ihrem unbedingt tanzbaren Jazz gehörig einheizte. Wie zuvor beim Chromatic Collective beeindruckten besonders Leichtigkeit und Spielfreude, mit der die Musikerinnen und Musiker ihre Instrumente zu handhaben wissen. Die gute Laune übertrug sich unmittelbar aufs Publikum, sodass am Ende alle ganz beseelt waren von dieser Feier des Jazz, die der Abend im Ganzen war.
Das Besondere an JazzGoesMensa ist nicht nur die beachtliche musikalische Qualität der Darbietungen, sondern zweifellos auch, dass alle Künstlerinnen und Künstlerinnen ohne jede Gage auftreten, aus purer Lust am Musizieren also. Das Publikum anerkannte das nicht zuletzt durch eine ordentliche Spende am Schluss der Veranstaltung; das so gesammelte Geld kam diesmal dem Wilhelminen-Hospiz zugute.
Die durch den Song „If I go“ (Sebastian Kruse) aufkommende melancholische Abschiedsstimmung versuchte der Moderator, der überhaupt nicht einsehen konnte, dass dies der einzige Auftritt des Chromatic Collective gewesen sein soll, sogleich durch eine Einladung zum nächsten JazzGoesMensa aufzufangen: Der Termin ist gesetzt — am 16. September 2026 wird die FPS-Mensa wieder ihre Türen öffnen, und es soll dem Jazz in Niebüll wieder gehörig Raum verschafft werden. Bis dahin trägt uns ein „Guiding Light“ (Alexis Ffrench), mit dem uns Constance Vogel schließlich in den Abend hinausgeleitete und das in diesen vor uns liegenden trüberen Zeiten zuversichtlich stimmt.

Ft

Sehen Sie hier einige Bilder vom gestrigen Jazz goes Mensa-Event:

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